März 2011: Zoo Rapperswil

Teil 1

Juhu, die Winterpause ist vorbei. Gleich am Eröffnungstag besuchen wir die Elefriends in Rapperswil bei etwas über null Grad. Bis zum Start der Zirkustournee hat man die Möglichkeit, auch Ceylon, Delhi und MaPalaj besser kennenzulernen. Besonders MaPalaj, die beim Gehen so beschwingt mit dem Kopf wippt, ist heute sehr lebendig und verspielt. Sie wirft mit Aesten um sich, klettert über einen Baumstamm und rollt diesen locker hin und her. Bei unbekannten und bedrohlichen Geräuschen wie dem Rumpeln des nahenden "Rössli-Trams" quietscht sie ängstlich und sorgt für ein kleines Trompetenkonzert.  Fürsorglich wird sie von Sabu getröstet.

Beim Elefanten-Aussichtspunkt lernen wir zufällig eine junge Frau kennen. Auch sie ist eine grosse Dickhäuter-Freundin, vor allem von Sabu. Da sie die Knie-Elefanten schon länger kennt, erfahren wir im netten Gespräch interessante Infos über die insgesamt zehn Elefanten. Bekanntlich wurden Claudy und Sandry im März 2009 nach Belgien in den Park Paradisio abgegeben.

Noch ein Wort zu den heutigen Fütterungen: Am Morgen findet diese vor den Elefantenstallungen statt. Sabu hat trotz ihrer Grösse und Stärke ihre liebe Mühe, von der Seite her einen Happen durch die Gitterstangen zu ergattern. Und Rani geht scheinbar ganz leer aus. Am Nachmittag dann das ungewohnte Chaos. Während die fünf Zoo-Elefanten ihre Futterplätze eigentlich gut kennen, wird durch die Anwesenheit der drei Zirkus-Elefanten alles etwas enger: Mehr dazu siehe Teil 2.

 

Teil 2

Zu Beginn sind's heute nur vier. Siri und Patma zeigen uns, was man mit Aesten ausser essen sonst noch machen kann: Siri schmückt ihren Kopf mit einem grossen knorrigen Ast. Patma versorgt kurzzeitig etwas Holz unter ihre... Achselhöhle? Jedenfalls zwischen Bauch und Vorderbeine.

Am Nachmittag tauchen die anderen vier Elefanten doch noch im Aussengehege auf, mit Rani. Wie üblich trottet MaPalaj beschwingt hinter den anderen her. Eigentlich haben wir die Elefanten bisher nur mit dem Rüssel nach unten trinken sehen. Doch die Zirkus-Damen trinken beim Wasserfall Rüssel nach oben und werden gleich von einer der Zoo-Damen imitiert.

Wenn acht Elefanten gleichzeitig vom Publikum gefüttert werden wollen, wird's etwas komplizierter, genauer: MaPalaj und Delhi platzieren sich von Beginn an privilegiert, unterhalb vor den anderen im Graben. Ceylon hat links aussen kaum Platz und Sumatra muss ihren schwachen Rüssel über MaPalaj hieven. Sabu und Rani erwarten wie üblich ungeduldig und synchron hin- und herwippend den ersten Apfel.

 

 Teil 3

Auch heute ist einiges los, obwohl nur vier Elefanten anwesend sind. Die anderen werden sich schon auf dem Zirkusareal aufhalten. Sumatra macht Gymnastik, indem sie öfters ihre Beine seltsam verrenkt und sich wieder und wieder streckt und reckt. Vielleicht muss die alte Dame ihre Gelenke trainieren? Während ihres Kurzbesuches im Schlammbad will sie genauer wissen, wer ihr da zuschaut. Sie inspiziert uns genauso interessiert wie wir sie beobachten.

In einer ruhigen Phase eilt Siri plötzlich zum Ausgang ihres Geheges: Patma wird frühzeitig weggeführt. Begleitet von ihrem Pfleger trottet sie gemütlich, fast mehr seitwärts als vorwärts, Richtung Stallungen. Zurück im Aussengehege übt der Chef-Tierpfleger mit den verbleibenden drei Muske(l)tieren Kunststücke. Er macht dies souverän und ruhig, ohne grosse Gesten und laute Befehle. Einige Kinder sind sehr begeistert von den Darbietungen und rufen unaufhörlich: "Bravo Elefant, super Elefant!" Sabu schafft ihre Uebungen am einfachsten, aber auch die älteren Siri und Sumatra geben sich alle Mühe. Sabu hat ihr Programm zwar schon durch, schaut aber bei ihren Kolleginnen interessiert zu.

 

Teil 4

Heute gibt's Elefanten-Normalprogramm, das heisst die fünf Zoo-Elefanten und ein Bad bei gegen 20 Grad. Sabu spielt wieder mal "Wal" und wälzt sich strampelnd im nicht so tiefen Badebereich. Je lauter die Kinder quietschen, desto mehr strengt sie sich an. Zum Schluss hat sie so viel Schwung, dass sie mit einem halben Kopfstand ihren Hintern weiter hochdrückt und letztlich doch auf den Hinterbeinen landet. Siri meidet als einzige das Wasser. Sie wirkt sowieso zurückhaltender als noch letzte Saison.

Plötzlich wird's im Elefantengehege voller. Es ist ein Photoshooting mit Zoodirektor B. Sinniger, Sabu und zwei Journalisten angesagt. Den Beteiligten macht's sichtlich Spass. Später wird Siri fürs Reiten abgewischt und sie zeigt, wie man sogar im Liegen genüsslich Aeste verspeisen kann. Auch Sabu sollte zum Reiten antraben, doch sie sträubt sich erfolgreich dagegen: Sie ergreift die Flucht und rennt durchs halbe Gehege Richtung Bassin. "Wenn Du mich nicht in Ruhe lässt, geh ich da jetzt rein!", scheint sie dem Pfleger sagen zu wollen. Der lässt sie fürs erste in Ruhe. Doch als am Nachmittag die Fütterung ansteht, wartet schon der Chef-Tierpfleger! Sabu scheint die Situation widerstrebend zu verstehen und wagt sich nicht an ihm vorbei. Zögernd schaut sie zu ihren Kolleginnen, die sich für die Karotten und Aepfel bereitstellen. Als der Korb gebracht wird, lässt Sabu sich widerstandslos ins Reitareal führen. Sehnsüchtig äugt sie von dort her zur Futterstelle, muss aber auf die Verpflegung verzichten und ein paar Gehorsamsübungen ausführen. Arme Sabu!
;-)

 

Teil 5

Für einen Mittwoch Nachmittag hat's etwas wenig Besucher, es ist eben nicht allzu warm. Trotzdem nimmt Sabu ein langes Solobad, sie muss! Und das ging so:

In letzter Zeit wird der Elefantenpool öfters von Enten in Beschlag genommen. Als Sabu das Pärchen entdeckt, starrt sie in deren Richtung, lässt sie aber in Ruhe. Etwas mit den Beinen rudern und untertauchen, Wasserblasen sprudeln hoch. Dann tastet sie nach ihrem linken Ohr und spült sich die Ohrmuschel aus. Und wieder entdeckt sie die Enten, die das Treiben aus respektvollem Abstand beobachten. Sabu peitscht ihren Rüssel aufs Wasser und kuckt, wie die zwei Eindringlinge reagieren. Dann wird sie vom Rösslitram abgelenkt, dem sie interessiert nachschaut. Sie streckt ihren Rüssel so weit wie möglich nach oben. Winkt ihr jemand zu? Jedenfalls hat sie nach wenigen Minuten schon genug gebadet und wackelt zufrieden und zielstrebig aus dem Wasser. Doch da hat sie nicht mit dem Chef gerechnet: "Sabu, zurück!" Zögernd befolgt sie den Befehl, wagt aber bald einen weiteren Versuch: "Sabu, zurück!" Natürlich ist wieder sie gemeint und folgsam versinkt sie im erfrischenden Wasser.

Inzwischen wird Patma hinter dem Ohr gekrault. Sie geniesst's sichtlich, senkt gar ihren Kopf, damit der Pfleger besser rankommt. Sabu hat wieder eine Ente entdeckt und watschelt langsam auf sie zu. Wieder streckt sie ihren Rüssel zur Ente hin, die diesmal entsetzt davonfliegt. Sabu schaut ihrer Flugbahn erstaunt nach, wie wenn sie nichts dafür könnte. Jetzt aber endlich raus aus dem Bad. "Go Back!" Als hätte sie's schon geahnt, macht sie kehrt und plantscht nochmals ausgiebig. Wie ein Luftballon schwebt ihr schwereloser Hintern auf der Wasseroberfläche. Macht sie einen Unterwasserkopfstand? Immer wieder will sie raus. Was könnte sie noch tun? Ach ja, "gestrandeter Wal" spielen! Heisst: Sich im Randbereich des Beckens hinlegen und mit den Beinen fest strampeln. Leider ist das Vergnügen nur von kurzer Dauer. Als sie zum etwa achten Mal zurück ins Bassin geschickt wird, wird sie immer lebendiger und ausgelassener, vielleicht wütender? Energisch schlägt sie ihren Rüssel ins Wasser und rührt ihn dort wie in einem Teig hin und her, wobei natürlich auch ein paar Zuschauer etwas nass werden. Dann streckt sie Kopf und Rüsselspitze wieder hoch, wie wenn sie einen Schlussapplaus erwarten würde. Genug, nur raus jetzt.

"Go Back!" Etwas ratlos steht sie da, startet dann aber den Turbo und eilt zum Beckenrand. Die Aussenmauer hat sie noch nicht erkundet. Also Rüssel raus Richtung Holzbrücke. Mütter entfernen ihre Kinder vom Brückengeländer. Doch Sabu will nur den Boden abtasten. Sie findet ein Aestchen, nimmt dies in den Pool und plantscht und spritzt was das Zeug hält. Dann wieder die Wal-Stellung, diesmal ausdauernder. Mit viel Schwung in den Hinterbeinen schafft sie fast den 90-Grad-Winkel. Danach setzt sie sich aufrecht hin und sieht aus wie ein Osterhase mit Schlappohren. Jetzt ist aber wirklich genug, und raus. Sie ist schon ein paar Meter auf dem Trockenen unterwegs, als sie wieder den üblichen Befehl hört.

Siri muss nun mit rein. Sabu ist inzwischen so müde oder so ratlos, dass sie nur noch bockstill dasteht. Siri hingegen ist (endlich!) voller Energie und stiehlt Sabu die Show, was jene aber kalt lässt. Diesmal ist es Siri, die ihren Rüssel verspielt auf die Wellen peitscht. Sie knutscht Sabu endlos ab und äugt mit weitgeöffneten Augen, leicht erhobenem Kopf, offenem Maul und gerolltem Rüssel zu den Zuschauern. "Und euch werde ich DANACH verknutschen!" scheint sie sagen zu wollen. Die lustlose Sabu will wieder weg und wird noch einmal zurückgeschickt. Siri setzt ihre Sabumanie fort und knabbert weiter an der Backe ihrer Kollegin rum. Als Sabu protestierend trötet, lässt sie kurz ab, schaut begeistert zu uns raus, taucht kurz ab und... zurück zu Sabu. Die trötet nochmals, als Siri an ihrem Hinterschenkel nagt. Sabu schaut zum Pfleger und will nur noch raus! Wie wenn Siri das spüren würde, nimmt sie etwas Anlauf und schubst Sabus Hintern mit ihrem Kopf an. Sabu wackelt nun ganz aus dem Pool und darf diesmal draussen bleiben.

Patma und das Rind nebenan betrachten sich neugierig aus der Nähe: Ihre Nasen sind nur wenige Zentimeter getrennt. Patma breitet ständig ihre Ohren aus. Hat sie Angst? Das Rind ist doch viel kleiner! Beide scheinen interessiert, aber auch irritiert. "Was ist denn das für eine?" Ja, seltsame Viecher hat's im Zoo.